New Work – wie neue Trends den Arbeitsmarkt umkrempeln

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Die Homeoffice-Pflicht während der Pandemie hat gezeigt, dass Arbeit auch flexibel funktioniert. Viele Menschen haben begonnen, Arbeit neu zu denken und andere Prioritäten zu setzen. Welche neuen Buzzwords sich hier entwickeln und welche New Work Trends daraus erwachsen können, haben wir mit Hilfe der Research-Methode FirstSignals® ermittelt.

Was ist „New Work“?

New Work beschreibt den aktuellen Wandel unserer Arbeitswelt. Arbeit sollte kein notwendiges Übel sein, um den eigenen Lebensunterhalt zu finanzieren, sondern zukunftsweisend und sinnstiftend. Gerade junge Generationen wünschen sich eine Bessere Work-Life-Balance und fordern eine Abkehr von der klassischen 40-Stunden-Woche. Treibende Kräfte dieses Wandels sind die Globalisierung, die Digitalisierung, die Pandemie und der demografische Wandel. Vormals zeitaufwändige Prozesse werden vereinfacht, Kommunikationswege verkürzt, Aufgaben digitalisiert und Standorte vernetzt. Durch das Internet entstehen zudem vollkommen neue Berufsfelder.

All diese Veränderungen bringen neue Bedürfnisse hervor, insbesondere auf Seiten der Arbeitnehmer. Unternehmen denken um und erproben neue Strukturen, um der veränderten Arbeitswelt gerecht zu werden. Im Folgenden werden einige Buzzwords vorgestellt, die im Zusammenhang mit New Work stehen und neue Arbeitstrends beschreiben.

Liquid Work

Flüssigkeiten sind weich, durchlässig und ständig in Bewegung – ebenso wie die Arbeitswelt in Zeiten einer Pandemie. Angesichts der sich verändernden Regelungen und weiteren Virus-Wellen ist es notwendig, Arbeit flexibel zu gestalten. Alle berufstätigen Menschen, egal ob angestellt oder selbstständig, erleben derzeit eine Disruption ihrer Arbeitsweisen. Die klassische Arbeitswoche mit ihrer festen Stundenzahl wird aufgeweicht und macht Platz für dynamische Arbeitsmodelle. Diese orientieren sich vermehrt am Zeitgeist. Ein neues Modell sind beispielsweise Teilzeitjobs für mehr als ein Unternehmen. Manche Menschen, die im Homeoffice arbeiten, beginnen einen zusätzlichen Job, ohne ihren Arbeitgeber darüber zu unterrichten. Der/die Einzelne erhält in der gegenwärtigen Ökonomie mehr Wahlmöglichkeiten als zuvor – eine Macht, die viele Menschen zu nutzen wissen. 

On-Demand-Generation

Arbeiten und leben, wie und wo wir möchten – davon träumen wir alle. Während ältere Generationen sich seit Jahrzehnten mit einer 40-Stunden-Woche arrangieren, suchen vor allem junge Arbeitnehmer nach alternativen Arbeitsmodellen. Diese sollten eine gute Work-Life-Balance fördern und mehr Selbstbestimmung zulassen. Diese „On-Demand-Generation“ möchte selbst entscheiden, wo und wie sie arbeitet, mit wem sie sich austauscht und wie sie sich weiterbildet. Mit viel Flexibilität geht jedoch viel Eigenverantwortung einher. Die Zukunft bringt eine flexiblere Arbeitswelt, in der immer mehr auf Abruf funktionieren wird.

Polywork

Arbeit nimmt einen großen Teil des täglichen Lebens ein. Durch verschiedene Jobs lässt sich diese Zeit interessanter gestalten – so die Argumentation von Berufstätigen, die Polywork betreiben. Seit Beginn der Pandemie wenden sich viele Menschen davon ab, nur einen Beruf auszuüben. Begründet wird dies mit einem gesteigerten Bedürfnis nach Sinnstiftung und Abwechslung. Der Wille, die eigene berufliche Laufbahn aktiv zu gestalten, führt dazu, dass immer weniger Menschen einem vorgezeichneten Karriereweg folgen. Im Büro arbeiten, eine NGO gründen und gleichzeitig ein Musical produzieren – für die Generation Z und viele Millennials ist das ein akzeptabler Lebensentwurf. Er ist attraktiver als das große Geld, solange er zum Lebensgefühl passt.

Metawork

Dezentral arbeiten, von überall auf der Welt, virtuell und digital – das ist im Metaverse Realität. Momentan lässt sich beobachten, dass qualifizierte Arbeitnehmer die großen Tech-Konzerne wie Apple, Google, und Meta verlassen, um sich auf der Blockchain und in der Krypto-Welt etwas Eigenes aufzubauen. Das ist ganz im Sinne der Web3-Bewegung. Ihr Ziel ist, die Macht der großen Plattformen zu brechen und auf die kleinen Creator zu übertragen. Ihre Vision ist ein Internet, das sich – anders als das Web 2.0 – dezentral organisiert und sich in keinerlei Besitz befindet. Sie wünschen sich, dass das Internet zu einem gemeinschaftlich verwalteten Raum wird. Mit Hilfe der Blockchain – einer verteilten, öffentlichen Datenbank – lässt sich mehr Unabhängigkeit von den großen Plattformen erreichen. Statt wenige große Unternehmen sollen viele kleine Akteure das Web 3 kontrollieren.

Die Unternehmen im Web3 sind DAOs – Dezentrale Autonome Organisationen. Gesteuert über Smart Contracts und liquide durch Token sind sie die neuen virtuellen Arbeitgeber. Sie wollen mehr Demokratie, sind frei von klassischen Hierarchien und befinden sich im gemeinschaftlichen Besitz ihrer Mitglieder. Noch sind die Einstiegsbarrieren in DAOs allerdings hoch. Ob und wie das Metaverse Einzug in die Arbeitswelt halten wird, bleibt demnach offen.

Workification

Gamer für ihr Spielen bezahlen – das Metaverse macht’s möglich. Schon jetzt werden in den digitalen Welten virtuelle Kämpfe ausgetragen, die Gewinner mit Kryptowährungen belohnt. Den Ansatz, Arbeitnehmer durch Gamification zu motivieren, gibt es zwar schon länger. Nun werden aber auch reale Arbeitsschritte in Games simuliert, beispielsweise die Steuerung eines Zugs. „Play-to-Earn“ ist der neue Trend in der Games-Industrie.

Workation

Vom Büro nach Zuhause und dann in die weite Welt – auf den Homeoffice-Trend folgt der Wunsch, dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen. Mobile Work ist einer der größten Arbeitstrends im Zeichen von New Work. Zunächst wurde es attraktiv, einige Tage in der Woche von zu Hause aus zu arbeiten. Die Pandemie forcierte dann die Verbreitung von Full-Remote-Companies, die sich ausschließlich digital organisieren. Mit Workations ist die nächste Stufe des mobilen Arbeitens erreicht – die Grenzen zwischen Arbeit und Urlaub lösen sich auf.

Es gibt bereits Plattformen, die arbeitstaugliche Hotels oder Ferienhäuser an Arbeitnehmer vermitteln, die Arbeitsurlaube planen. Unternehmen richten Workation-Programme ein, die von den Arbeitnehmern in Anspruch genommen werden. Die Entwicklung zeigt: Workations sind definitiv machbar, wenn der Wille da ist. Wichtig sind eine Überschneidung der Zeitzonen und stabiles Internet.

Job Crafting

Durch die Pandemie hat die Freiheit zu entscheiden, wann und wie viel wir arbeiten, Priorität gewonnen. Die Möglichkeit zu wählen, welche Arbeit wir tun, rückt ebenfalls in den Fokus. Ein US-amerikanischer Tomatenmarkhersteller gibt seinen Mitarbeitern die Freiheit, ihre Stellenbeschreibungen nach einem Jahr im Unternehmen selbst zu verfassen. Dies ist lediglich an zwei Bedingungen geknüpft: Sie müssen erklären, wie ihre Position die Mission des Unternehmens voranbringen wird, und die engsten Kollegen müssen dem zustimmen.

Dieses „Job Crafting“ ermöglicht es den Mitarbeitern, ihre Rolle im Unternehmen selbst zu gestalten und ihre eigenen Aufgaben festzulegen. Umfangreiche Untersuchungen zeigen: Mitarbeiter, die ihre Arbeit selbst gestalten, arbeiten effektiver und sind zufriedener. Sie bleiben dem Unternehmen mit größerer Wahrscheinlichkeit treu.

Antiwork

Antiwork ist die extremere Seite der New-Work-Bewegung. Sie zielt darauf ab, die bezahlte Arbeit von der Spitze der Lebensinhalte zu verdrängen. Die Erlebnisse während der Pandemie haben vielen Menschen den Impuls gegeben, ihre Lebenspläne zu überdenken und neue Prioritäten zu setzen. Viele erkennen, dass bezahlte Arbeit nicht die einzige Aktivität ist, der es sich nachzugehen lohnt. In dieser Zeit wurden die Forderungen nach alternativen Arbeitsmodellen wie der Vier-Tage-Woche oder dem Homeoffice lauter.

Extreme Positionen versuchen, ihre Ziele mittels Ablehnung der klassischen  Erwerbstätigkeit zu erreichen. Ihre negativen Erfahrungen und ihre Forderungen nach einer besseren Arbeitskultur teilen sie in Onlineforen. Mit der Antiwork-Bewegung scheint auch die generelle Unzufriedenheit mit dem Prinzip Kapitalismus zu wachsen.

New Collar

Während der Pandemie ist die Nachfrage nach Arbeitnehmern im digitalen Bereich gestiegen. In vielen Branchen geben Arbeitgeber geringer qualifizierten Arbeitskräften eine Chance in Positionen, die eigentlich für Akademiker vorgesehen sind. Dadurch verschiebt sich die Unterscheidung zwischen „Blue Collar“ nach „White Collar“ bis hin zu „New Collar“ zunehmend – Begriffe aus dem amerikanischen Wirtschaftssystem. Die Aufteilung in Arbeiter („Blue Collar“) und Angestellte („White Collar“) verliert an Bedeutung und eine neue Arbeitnehmerklasse entsteht.

Einer Studie zur Folge haben mehr als ein Zehntel der Amerikaner mit schlecht bezahlten Jobs in Lagerhäusern, Fertigung, Gastgewerbe u.a. in den letzten zwei Jahren einen solchen Positionswechsel vollzogen. Viele der neuen Jobs sind in der Software- und IT-Branche sowie in technologiebezogenen Rollen in den Bereichen Logistik, Finanzen und Gesundheitswesen angesiedelt. Neue Daten deuten darauf hin, dass die Pandemie dazu beigetragen hat, mehr Arbeitnehmer in aufstrebende Karrieren zu katapultieren.

Sie möchten mehr über New Work und weitere für Sie relevante aufstrebende Themen wissen? Erfahren Sie hier, wie Sie mit FirstSignals® Trends entdecken, bevor es andere tun.

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