Sozialkapital – Zusammenhalt im Unternehmen

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Ausschließlich profitorientiert zu handeln, gilt nicht mehr als state-of-the-art und bietet gerade in Krisenzeiten wie der aktuellen Corona-Pandemie kaum Lösungen für grundlegende Probleme. Was in einer Krise dagegen zählt, sind Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung – denn wer keinen Zuspruch erhält, wird kaum bis gar nicht motiviert sein, für krisenbedingte Herausforderungen an Lösungen mitzuarbeiten. Dieser Grad an Unterstützung innerhalb einer Gemeinschaft lässt sich unter dem Begriff „Sozialkapital“ zusammenfassen. Die Rolle und Wirkung des gesellschaftlichen Sozialkapitals lässt sich auch auf betriebliche Gemeinschaften übertragen: Eine Investition in das Sozialkapital eines Unternehmens lohnt sich auf Dauer und macht sich gerade in Krisenzeiten bezahlt.

Sozialkapital in der Coronakrise

Bis alle Bürgerinnen und Bürger geimpft werden können, braucht es noch etwas Zeit: Die Infektionszahlen steigen weiter, die dritte Welle ist noch immer in vollem Gange, und trotzdem ist der Drang nach Lockerungen der Kontaktbeschränkungen stärker denn je. Die Regierung ruft weiterhin dazu auf, die Regeln diszipliniert einzuhalten, denn „nur gemeinsam“ könne die Krise überwunden werden. Unter dem Slogan „Gemeinsam gegen Corona“ rufen aber auch Unternehmen wie z.B. die Bertelsmann Content Alliance, zu denen unter anderem die RTL Group und Gruner + Jahr gehören, zum vereinten Kampf gegen das Virus auf und erreichen damit aufgrund ihrer Vielzahl an Medien nahezu die gesamte Bevölkerung in Deutschland. Politik und Medien sind demnach stark darauf fokussiert, den Zusammenhalt in der Bevölkerung zu stärken und die Solidarität mit den bedrohten Risikogruppen zu fördern. Ein höheres Sozialkapital sorgt dafür, dass die Corona-Regeln auch weiterhin befolgt werden und die Solidarität aufrechterhalten wird. Ohne sozialen Zusammenhalt und kollektive Disziplin wäre eine erfolgreiche Bekämpfung der Pandemie nicht möglich. 

Sozialkapital als Puzzlestück für mögliche Lockerungen

Eine Studie des Zentrums für EU-Wirtschaft (ZWE) zeigte bereits im letzten Jahr, dass sich das Virus in Regionen, die über ein höheres Sozialkapital verfügen, langsamer verbreitet und dass die Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 dort niedriger sind als in Regionen, in denen das Sozialkapital geringer ausfällt. Das Sozialkapital zeigt sich demnach nicht nur in der Theorie als wichtiger Faktor für das Erreichen gemeinsamer Ziele, sondern belegt in der Pandemie die Effektivität kollektiver Handlungen. Regionen, in denen das Sozialkapital besonders hoch ist, können den Anstieg der Infektionszahlen schneller ausbremsen und somit auch früher auf mögliche Lockerungen hoffen.

Was ist also Sozialkapital und wie können insbesondere Unternehmen davon profitieren?

Aufgrund der Komplexität des zugrunde liegenden Konzeptes existiert bis heute keine universelle Definition des Begriffes. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass unter Sozialkapital Human Resources wie Vertrauen, Normen und Werte verstanden werden können, welche innerhalb einer sozialen Gruppe entstehen, beispielsweise einer Gemeinde, Teilen einer Gesellschaft, einer Organisation bzw. eines Unternehmens. Im Grunde genommen sind dabei drei Elemente essenziell:

  • Vertrauen
  • Normen
  • Netzwerke

Daher sollten sich auch Gemeinschaften in Unternehmen auf diese Aspekte konzentrieren, um widerstands- und wettbewerbsfähiger, innovativer und produktiver zu werden und eine Art „interne Stärke“ zu entwickeln.

Vertrauen statt Kontrollmechanismen – Die Basis kooperativen Verhaltens

Teamorientiertes Arbeiten ist ohne gegenseitiges Vertrauen im Prinzip nicht vorstellbar. Vertrauen ist die Basis für kooperatives Verhalten zwischen den verschiedenen Stakeholdern eines Unternehmens und somit wichtig, um Transaktionskosten möglichst gering zu halten und das Unternehmen langfristig erfolgreich zu machen. Firmen mit höherem Stakeholder-Vertrauens- und Innovationsniveau zeigen durchschnittlich 3,1% höhere Betriebsergebnisse als andere Unternehmen.

Vertrauen

Wie können Sie das Sozialkapital Ihres Unternehmens erhöhen?

In digitalen Arbeitswelten alles zu überwachen und zu kontrollieren, scheint eine ziemlich teure und ineffiziente Strategie zu sein: Es ist also wesentlich, dass die Führungskräfte ihre Mitarbeiter spüren lassen, dass sie ihnen vertrauen.

Unternehmen sollten sich daher aktiv für eine Nicht-Überwachungskultur bzw. eine Vertrauenskultur einsetzen, bei der eigenverantwortliches Handeln ermöglicht und ausdrücklich gefördert wird. Mitunter bedeutet das einen grundlegenden Wandel der Struktur, die abhängig von der aktuellen Unternehmenskultur, nicht sofort umgesetzt werden kann. Ein guter Anfang ist es aber, einen Blick auf die Werte und den Purpose des Unternehmens zu werfen.

Geteilte Werte, Normen und Überzeugungen

Werte und Normen geben Auskunft darüber, was einem Unternehmen wichtig ist, was eine gute Zusammenarbeit ausmacht und was ein guter Mitarbeiter zu leisten hat. Außerdem helfen Werte dabei, Entscheidungen zu treffen, und zeigen Orientierungsmuster auf. Sie schaffen Identität und Sicherheit und geben ein Ziel vor, auf das alle betrieblichen Aktivitäten ausgerichtet werden sollen.

Einen Purpose zu haben trägt dazu bei, Vertrauen und Offenheit aufzubauen, durch die Verfolgung eines gemeinsamen Ziels Zusammenhalt zu schaffen und macht Unternehmen somit widerstandsfähiger gegen äußere Bedrohungen.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Rebecca Henderson betont, dass es für zukunftsorientierte Unternehmen entscheidend ist, nicht nur höhere Gewinne zu erzielen, sondern zweck- und zielorientiertes Handeln durch gemeinschaftliche Werte zu fördern. Sie stellt fest, dass Firmen, die einen Purpose verfolgen, in langfristige Werte investieren, was ihre Produktivität auch in Krisenzeiten ansteigen lässt. Bei Unternehmen, welche keinen bestimmten Zweck – Purpose­­­ – verfolgen, ist dies nicht der Fall, da das Personal aufgrund fehlender gemeinschaftlicher Ziele auch keine Motivation entwickeln kann, diese Ziele zu erreichen.

Es ist also unverzichtbar, dass sich Unternehmen und ihre Mitarbeiter mit folgenden Fragen beschäftigen:

  • Was ist unsere Philosophie?
  • Was sind die Ziele, die wir erreichen wollen?
  • Wofür stehen wir?
  • Was ist der Zweck unserer Aktivitäten?
  • Welche Rolle spielen wir in der Gesellschaft?

In einer auf der Harvard Business Review Webseite veröffentlichten Studie heißt es, dass die Mitarbeiterfluktuation geringer ist, wenn Mitarbeiter ihre Arbeit als sinnvoll wahrnehmen und den Zweck sowie den Effekt ihrer Anstrengungen erkennen. Sie arbeiten motivierter und konzentrierter, fühlen sich persönlich eingebunden, wollen zum unternehmerischen Erfolg beitragen, unterstützen die Werte und die Arbeitskultur ihres Unternehmens und sind allgemein zufriedener.

Mit folgenden Schritten können Sie das Sozialkapitals Ihres Unternehmens allmählich aufbauen und die kollektive Ausrichtung auf einen Unternehmenszweck fördern:

  • Teamübergreifende Besprechungen einführen. So wird der Zusammenhang zwischen Projekten der einzelnen Teams und dem Gesamtzweck des Unternehmens für alle Mitarbeiter ersichtlich und ermöglicht, die Korrelationen verschiedener Tätigkeitsbereiche zu verstehen und mit Kenntnissen über die Unternehmensphilosophie stets im Sinne des Arbeitgebers zu handeln.
  • Raum für persönliche Gespräche schaffen. Persönlicher Austausch fördert den Erfahrungs- und Wissenstransfer und bietet eine gute Gelegenheit, um gemeinsame Interessen zu entdecken und den Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, eigene Sichtweisen einzubringen. Dies trägt dazu bei, neue Ideen zu entwickeln, eine offene Kommunikation herbeizuführen und Ängste vor Benachteiligungen bei Äußerung von Kritik abzubauen.
  • Von klassisch und hierarchisch zu agil und innovativ. Die Deutsche Gesellschaft für Qualität erklärt, dass agile Arbeitsstrukturen für die Qualität der Arbeit einen erheblichen Vorteil bringen kann. Probleme und Fehler können aufgrund der flachen Hierarchien leichter angesprochen und gelöst werden, da offene Kommunikationsprozesse viel Zeit einsparen und effektiver funktionieren, als dies bei Kommunikationsweisen in starren hierarchischen Strukturen der Fall ist.
  • Ein vielfältiges Netzwerk aufzbauen. Netzwerke sind mehr als einfache Verbindungen, sie bedeuten wertvolle verfügbare Ressourcen. Ein einfaches Beispiel: Hat eine beschäftigte Person ein IT-Problem, kontaktiert sie den Spezialisten ihres Netzwerkes, welcher sich in der IT gut auskennt, und bittet um Hilfe. Wenn Unternehmen ein vielfältiges Netzwerk aufbauen, können sie also über die unterschiedlichsten Ressourcen verfügen. Ein vielfältiges Netzwerk ist deshalb ein relevanter Faktor für Innovation, Problemlösung aus verschiedenen Perspektiven, Bekanntheitsgrade und die Reichweite von Unternehmen auf dem (Arbeits)markt.

Es ist wichtig, dass das Netzwerk eines Unternehmens nicht nur Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden umfasst, sondern auch die an diesen Gruppen gebundenen Netzwerke. Ist beispielsweise ein Mitarbeiter mit dem Arbeitgeber zufrieden, wird er diesen mit höherer Wahrscheinlichkeit in seinen Sozialen Netzwerken weiterempfehlen. In diesem Sinne können Unternehmen indirekt ihre Mitarbeiter als Ressource in den Recruitingprozess einbinden.

  Kurz gesagt:

  • Sozialkapital ist nicht nur ein wichtiges und vielversprechendes Instrument für das Erreichen gesellschaftlicher Ziele in Krisenzeiten, sondern auch ein sehr relevanter Faktor für den Unternehmenserfolg.
  • Mehr Transparenz führt dazu, dass die Mitarbeiter sich besser eingebunden fühlen, was die Zufriedenheit steigert. Durch einen offenen Austausch entsteht Vertrauen, und dadurch werden langfristig weniger Ressourcen verschwendet.
  • Die Schaffung und klare Kommunikation von Werten, dem Unternehmenszweck und einer Vertrauenskultur sind Kernelemente, die nicht nur für die Effektivität der täglichen Arbeit wichtig sind, sondern das Geschäft auch in Krisenzeiten aufrechterhalten.
  • Ein vielfältiges Netzwerk bedeutet nichts anderes als unterschiedliche Ressourcen, die jederzeit verfügbar sind und die Problemlösung beschleunigen können sowie kontinuierlich innovativen Input liefern.

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