Medienbeobachtung der Corona-Impfung – Über welche Themen wird online berichtet?

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Die Entwicklung eines Sars-CoV-2-Impfstoffes sowie dessen Nutzen und Risiken werden derzeit fast überall heiß diskutiert: Während vor allem im Social Web zahlreiche Debatten zwischen Gegnern und Befürwortern der Corona-Impfung zu finden sind, fokussiert sich die mediale Berichterstattung derzeit auf den stockenden Impfstart, und jüngst auch auf misslungene Absprachen zwischen der EU und den Impfherstellern. Bestellfehler und die globale Verteilung der Impfdosen führen ebenfalls zu Diskussionen in den Medien. Die gezielte Suche im pressrelations Monitoring-Portal NewsRadar® soll Aufschluss über aktuelle Schwerpunkte zum Thema Corona-Impfung in Verbindung mit den verschiedenen Impfherstellern geben und mediale Resonanzen im öffentlichen Diskurs näher beleuchten.

Statt frühestens im Sommer diesen Jahres, wie noch vor einiger Zeit angenommen, wird in Deutschland bereits seit Ende Dezember geimpft. Von rund 180 Forschungsteams, die weltweit an der Entwicklung eines wirksamen Vakzins arbeiten, wurden in Deutschland bereits die mRNA-Vakzine der Firmen Biontech/Pfizer und Moderna sowie der Vektorimpfstoff von AstraZeneca zugelassen. Auch das russische Serum Sputnik V sowie die Vakzine der Pharmaunternehmen Novavax, Johnson & Johnson und Curevac könnten bald verwendet werden. Bisher wurde fast 2,9 Millionen Menschen ein Vakzin verabreicht, etwa 1,5 Millionen von ihnen haben bereits die zweite Dosis erhalten und verfügen somit über den vollen Impfschutz (Stand 17.02.2021). Bundesweit werden weiterhin Impfzentren eingerichtet, um die korrekte Lagerung des Impfstoffes sowie eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten, doch vielerorts kommt es derzeit aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit zu Lieferengpässen und Koordinationsproblemen, weshalb viele Impfzentren bisher nicht genutzt werden können.

Medienbebeobachtung Corona Impfung Zeitverlauf
Berichterstattung im Zeitverlauf zur Auswahl von Impfherstellern

Besonders ärgerlich sind Ereignisse wie anfänglich in Bayern: Der Freistaat musste seit dem Impfauftakt aufgrund von Transportfehlern über 1000 Impfdosen entsorgen, da die anspruchsvollen Kühlketten unterbrochen wurden. Neben dem richtigen Umgang mit den knappen Impfdosen wird im Netz außerdem über eine weltweit gerechte Verteilung diskutiert und in diesem Zuge eine höhere Transparenz der Impfhersteller gefordert. Um das Ziel, allen BundesbürgerInnen zum Ende des Sommers eine Impfung anbieten zu können, zu erreichen, müssen die Liefermengen in den nächsten Wochen stark ansteigen und reibungslose Abläufe sowie klare und verlässliche Absprachen zwischen Bund und Herstellern gewährleistet werden. Doch Diskussionen über verzögerte Lieferungen, unklare Verträge sowie stockende Vergaben der Impftermine legen nahe, dass hier bisher auf mehreren Seiten fehlerhafte Kalkulierungen und uneindeutige Absprachen erfolgt sein müssen. 

Eine indirekte Impfpflicht?

Aufgrund beschleunigter Testverfahren und vereinfachter Zulassungsprozesse und nun auftretender Koordinationsprobleme finden sich insbesondere im Social Web neben Gerüchten über eine verpflichtende Impfung auch absurde Theorien zu Wirkungsweisen und Risiken der Sars-CoV-2-Vakzine. Auch im Bereich der Online-News ist das Thema Impfpflicht präsent, allerdings in Form einer Berichterstattung über politische Diskussionen, die sich vielmehr mit möglichen Lockerungen der Corona-Beschränkungen für Geimpfte beschäftigen als mit willkürlichem Impfzwang.

Am 3. Februar sorgte eine Meldung von Eventim mit 175 Artikeln für ein hohes Beitragsaufkommen: Der Konzertveranstalter erwägt, Personen ohne Impfnachweis von den Veranstaltungen auszuschließen. Dies käme kritischen Stimmen zufolge einer indirekten Impfpflicht gleich. Zudem äußerte Bundeskanzlerin Angela Merkel am selben Tag im ARD-Talk „Farbe bekennen“, wer sich nicht impfen lassen wolle, müsse damit rechnen, bestimmte Dinge in Zukunft nicht machen zu können. Daraufhin erhielt sie massive Anfeindungen. Aktuell soll es allen behördlichen Aussagen zur Folge keine direkte Impfpflicht geben, doch das Thema scheint aufgrund der Diskussion um Beschränkungen für Impfverweigerer und eventuelle Lockerungen für Geimpfte weiterhin präsent zu sein. Zeitungsartikel zum Thema Impfpflicht finden sich vor allem in regionalen Blättern und Newsportalen, selten aber in den großen, überregionalen Tageszeitungen. Weitere politische Vorstöße in diese Richtung könnten zukünftig zahlreiche ethische und verfassungsrechtliche Grundsatzdiskussionen hervorbringen. Am 4. Februar sorgte bereits die Debatte des Ethikrats um Lockerungen der Corona-Maßnahmen für Geimpfte mit 337 Artikeln für einen erneuten Peak im Beitragsaufkommen. Auch die Stellungnahme der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, in der sie Versäumnisse bei der Impfstoffbestellung einräumt, erhielt hohe mediale Resonanzen, und weitere Versäumnisse könnten das Vertrauen der Bevölkerung in den reibungslosen Ablauf der Impfkampagne beeinträchtigen. Wichtig wird hier in den nächsten Wochen sein, die ausreichende Aufklärung über Nutzen und Risiko verschiedener Vakzine sicherzustellen, das Vertrauen der Bevölkerung in die Impfkampagne nicht durch Bestellungsfehler zu verspielen und Lagerungspannen wie jene in Bayern zukünftig zu vermeiden.

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Beitragsaufkommen im Zeitverlauf zum Thema Impfpflicht

Der Impfstreit um AstraZeneca

Eine weitere Koordinationsschwierigkeit befeuerte jüngst eine Auseinandersetzung zwischen der EU-Kommission und AstraZeneca: Statt den versprochenen 80 Millionen Dosen im ersten Quartal gab der schwedisch-britische Hersteller Mitte Januar bekannt, nur etwa 30 bis 40 Millionen der bestellten Dosen liefern zu können. Zudem kann das Serum Menschen über 65 zunächst nicht verabreicht werden, da nicht ausreichend klinische Tests und Studien vorhanden sind, um die Wirksamkeit in dieser Altersgruppe bestätigen zu können. Diese Nachricht sorgte vom 28. bis zum 30. Januar für ein hohes Beitragsaufkommen von 686 (am 28.01.), 604 (am 29.01.) und 768 (am 30.01.) Artikeln im Online-Bereich. Der sechs Tage später bekanntgemachte Beschluss der EU-Kommission, die AstraZeneca-Exporte nun auch an der Landesgrenze zwischen dem EU-Staat Irland und dem britischen Irland überwachen zu wollen, führte zu einem erneuten Peak in der Berichterstattung. Genau diese Kontrollen und eine feste Grenze zwischen den beiden irischen Staaten sollte das mühsam ausgehandelte Nordirland-Protokoll eigentlich verhindern, weshalb die EU-Kommission nach Protesten schnell zurückruderte. Die Impfstoff-Debatten betreffen längst nicht mehr nur die Gesundheitspolitik im Bund, sondern kreieren internationale Spannungen. Neben Tageszeitungen und Newsportalen griffen auch Radio- und TV-Sender die Ereignisse auf, insbesondere der Sender n-tv und die Tagesschau. Auf den News-Seiten der E-Mail-Provider t-online, web.de , GMX und Yahoo! fanden sich ebenfalls vermehrt Beiträge zum Thema.

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Zeitverlauf des Buzz zum Thema Impfstoffstreit

Da die massiven Verzögerungen der AstraZeneca-Lieferungen den europäischen Impfplan beeinträchtigen könnten, ist der Druck auf AstraZeneca nun hoch: Weil der Hersteller und die EU-Kommission die Lieferverträge derzeit unterschiedlich auslegen, wurden diese kürzlich offengelegt, verschaffen jedoch noch immer keine Klarheit darüber, weshalb AstraZeneca nun weniger Impfstoff liefern wird als angekündigt. AstraZeneca behauptet, es wären keine festen Liefermengen abgesprochen gewesen, doch die EU-Kommission hält dagegen. Sollte die EU AstraZeneca dazu bewegen wollen, das Impfstoff-Patent freizugeben, besteht das Risiko, dass dieser und weitere Hersteller zukünftig aus der EU abwandern. Wer letztendlich im Recht ist, werden bei weiteren Verzögerungen wohl Gerichte entscheiden müssen.

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Berichterstattung zu AstraZeneca im Zeitverlauf

Das Problem des Impfnationalismus

Ein weiterer Diskussionspunkt in den letzten Wochen war das Thema „Impfnationalismus“ – wenige, wohlhabende Länder sichern sich große Mengen der verfügbaren Impfstoffe, während ärmere Staaten und Entwicklungsländer leer ausgehen. Um einen Wettlauf der Mitgliedsstaaten in Europa zu verhindern, wurde die Europäische Kommission mit der Bestellung für das gesamte EU-Gebiet beauftragt. Bereits vor der Zulassung der Vakzine war das Thema im Netz präsent, insbesondere zu Beginn der deutschen Impfkampagne. Am 7. Februar wurden 209 Artikel zum Thema Impfkluft zwischen der Nord- und der Südhalbkugel und globaler Solidarität im Kampf gegen die Pandemie veröffentlicht. Eine besonders hohe Reichweite von 14,5 Millionen erzielte der Artikel des Fokus-Online-Korrespondenten Ulrich Reitz, der die Haltung der Kanzlerin bezüglich des Erfolgs der Impfstoffbeschaffung kritisiert und mit Beispielen verdeutlicht, dass hier eben nicht alles glatt gelaufen ist. Zudem sei der Vorwurf des Impfnationalismus nur dazu da gewesen, das Bestellungsmanagement an die EU-Kommission abzugeben. Dies sei aber nicht unbedingt notwendig gewesen, da auch bei vorherigen Verhandlungen bereits immer VertreterInnen mehrerer Staaten mitverhandelten.

Impfnationalismus sollte nicht nur in Europa verhindert werden, sondern auch im Hinblick auf die Versorgung der Entwicklungsländer. Deutschland oder der EU bei der Verteilung der Dosen Sonderrechte einzuräumen, mit dem Argument, dass die Vakzine dort entwickelt wurden, trägt zu einer weiteren Verbreitung der Pandemie in ärmeren Staaten bei und wäre für eine globale Lösung nicht förderlich. Zudem besteht die Gefahr, dass sich in unterversorgten Ländern Mutationen des Coronavirus schneller ausbilden könnten. Zu einer schnellen und effektiven Lösung gehört also die Erkenntnis, dass die Pandemie nur weltweit besiegt werden kann.

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Zeitverlauf zum Thema Impfnationalismus

Die Entwicklung des Impftempos

Laut Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine Impfrate von 60-70% notwendig, um die Pandemie auszubremsen. In einer repräsentativen Umfrage von Infratest dimap für den ARD-DeutschlandTrend im Februar gaben 59% der Befragten an, sich definitiv impfen lassen zu wollen. Demnach ist die Impfbereitschaft in den letzten Wochen gestiegen. 68% der Befragten lehnen eine Aufhebung der Corona-Beschränkungen für Geimpfte ab, und mehr als zwei Drittel bewerten das derzeitige Impftempo als zu langsam. Dass die Impfkampagne nicht so schnell durchgeführt werden kann wie erwartet, hat mehrere Gründe: Hersteller wie Biontech, Moderna & Co. sind keine gigantischen Konzerne, sondern verhältnismäßig kleine Unternehmen, deren Kapazitäten nicht für Massenproduktionen ausgelegt sind. Ein weiteres Problem ist die Herstellung der Fläschchen, in denen die Vakzine aufbewahrt werden: Um den extrem kalten Temperaturen standzuhalten, die beispielsweise der Biontech-Impfstoff benötigt, muss das verarbeitete Glas besondere Anforderungen erfüllen. Die Impfstoffhersteller arbeiten bereits daran, ihre Produktionskapazitäten auszubauen, und auch andere Unternehmen, beispielsweise Waschmittelhersteller, wollen Teile ihrer Produktion umrüsten, um benötigte Komponenten der Vakzine herzustellen. Wenn dies gelingt und genügend Personal verfügbar ist, sollte das Impftempo in den nächsten Monaten ansteigen.

Die Auswirkungen der Impfstoff-Debatten

Die Berichterstattung zum Thema Corona-Impfung hat sich in den letzten Wochen und Monaten von Meldungen über einen medizinischen Meilenstein hin zu Artikeln über zahlreiche Begleitphänomene wie Impfnationalismus, Impfpflicht-Debatten und wirtschaftliche wie ethische Konflikte entwickelt. Es reicht nicht aus, dass es führenden WissenschaftlerInnen gelungen ist, gleich mehrere Vakzine zu entwickeln, die der Pandemie möglicherweise ein Ende setzen könnten. Nun kommt es darauf an, möglichst viele Menschen in möglichst kurzer Zeit mit den Impfstoffen zu versorgen, den Verteilungsprozess genau zu koordinieren, wirtschaftliche Interessen hintenanzustellen und gravierende Fehler zu vermeiden. Insbesondere ethische Fragen, die die Verteilung der Impfstoffe sowie Priorisierungen und Privilegien von Geimpften betreffen, stellen eine nie dagewesene Herausforderung dar, welcher sich die politischen Akteure dieser Welt in den nächsten Wochen stellen müssen. Die Bewältigung der Corona-Pandemie ist und bleibt eine Aufgabe, die sich nur mit klarer Kommunikation und globalem gesellschaftlichem Zusammenhalt lösen lässt.

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