Lizenzierung zählt inzwischen zu den bedeutendsten und gleichzeitig am wenigsten transparenten Kostenfaktoren in der internationalen Medienbeobachtung. Besonders mit Blick auf den chinesischen Markt fehlt vielen Unternehmen ein klares Verständnis dafür, wie sich Lizenzkosten zusammensetzen und welche rechtlichen Grundlagen tatsächlich gelten. Dabei stellt sich häufig auch die Frage, ob es in China ein strukturiertes Lizenzmodell vergleichbar mit der deutschen PMG gibt oder ob dort grundlegend andere Mechanismen greifen.
Urheberrecht in China: Warum die Durchsetzung in der Medienbeobachtung schwierig ist
China verfügt grundsätzlich über ein Urheberrechtssystem. Mit der Reform des chinesischen Urheberrechtsgesetzes im Jahr 2021 wurde nochmals klargestellt, dass journalistische Inhalte urheberrechtlich geschützt sind und eine umfangreiche Vervielfältigung grundsätzlich eine Lizenzierung erfordert.
Die Herausforderung liegt jedoch weniger im Gesetz selbst als vielmehr in dessen praktischer Durchsetzung. Rechtsverletzungen werden in China in der Regel nur dann verfolgt, wenn Rechteinhaber selbst aktiv werden. Viele chinesische Medienhäuser, insbesondere staatlich geprägte Medien, gehen jedoch nur selten gegen Monitoring Anbieter oder kommerzielle Aggregatoren vor. Gründe dafür sind unter anderem hohe Prozesskosten sowie die Tatsache, dass eine weitreichende Verbreitung journalistischer Inhalte gleichzeitig die eigene Reichweite und Sichtbarkeit erhöht.
Hinzu kommt, dass chinesische Gerichte den Begriff der „angemessenen Nutzung“ vergleichsweise großzügig auslegen, insbesondere dann, wenn Inhalte im Kontext von Informationsvermittlung oder Nachrichtenweitergabe genutzt werden.
Lizenzierung in China: Warum es kein Pendant zur PMG gibt
Zwar existieren in China verschiedene Verwertungsgesellschaften, diese decken den Bereich Medienmonitoring jedoch bislang kaum ab. Organisationen wie die China Written Works Copyright Society (CWWCS) oder die China Audio Video Copyright Association (CAVCA) konzentrieren sich überwiegend auf klassische Lizenzbereiche wie Verlagsrechte, Musik oder audiovisuelle Inhalte.
Der Bereich Medienbeobachtung und Pressespiegel wird dagegen bislang nicht zentral kollektiv verwaltet. Ein strukturelles Pendant zur deutschen PMG existiert derzeit nicht.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die besondere Rolle staatlicher Medien in China. Ein großer Teil journalistischer Inhalte stammt von staatlich kontrollierten Medienhäusern wie Xinhua, People’s Daily oder CCTV. Deren Inhalte folgen teilweise einer impliziten „Public Good Logik“: Die Verbreitung offizieller Informationen wird weniger als kommerzielle Nutzung verstanden, sondern vielmehr als Bestandteil öffentlicher Informationsversorgung betrachtet.
Private Medienhäuser verfügen zwar häufig über ein stärkeres Bewusstsein für Urheberrechte und Lizenzierung, der Markt ist jedoch stark fragmentiert. Einheitliche Lizenzierungsmodelle haben sich deshalb bislang kaum etabliert.
Medienbeobachtung in China: Wie Anbieter mit „technischer Compliance“ arbeiten
Vor diesem Hintergrund arbeitet die chinesische Monitoring Branche häufig auf Basis stillschweigender Marktpraktiken. In vielen Fällen steht dabei weniger eine formale urheberrechtliche Lizenzierung im Fokus als vielmehr eine sogenannte „technische Compliance“.
Typische Vorgehensweisen chinesischer Monitoring Anbieter sind unter anderem:
- Crawling öffentlich zugänglicher Webseiten mit dem Argument, dass lediglich Indizes oder Zusammenfassungen erstellt werden und keine vollständige Reproduktion journalistischer Inhalte erfolgt. Zudem sind Paywalls im Vergleich zu westlichen Märkten bislang weniger verbreitet, da viele Medien stärker auf Reichweite als auf abonnementbasierte Modelle setzen.
- Datenpartnerschaften mit Plattformen wie Weibo oder WeChat. Diese Vereinbarungen betreffen jedoch in erster Linie den technischen Datenzugang und nicht die urheberrechtliche Lizenzierung journalistischer Inhalte.
- Endkunden, etwa internationale Unternehmen oder PR-Agenturen, werden in der Regel nicht aufgefordert, einen Nachweis über bestehende Pressespiegellizenzen vorzulegen.
Dies unterscheidet sich deutlich von Deutschland, wo Unternehmen häufig bereits vertraglich verpflichtet sind, über entsprechende PMG und/oder VG Wort Lizenzen zu verfügen.
Im Vergleich zu anderen Märkten zeigen sich deutliche Unterschiede in der Auslegung von Lizenzpflichten und Urheberrecht. Einen Überblick über internationale Regelungen finden Sie hier: Lizenzrecht in anderen Ländern
Urheberrecht und KI in China: Warum die Regulierung zunimmt
Trotz der bislang vergleichsweise offenen Marktpraktiken sollte die Entwicklung nicht unterschätzt werden. Weltweit steigt derzeit die Sensibilität für urheberrechtliche Fragen, insbesondere im digitalen Umfeld. Auch in China zeichnen sich mehrere Entwicklungen ab, die langfristig zu strengeren Lizenzierungsmodellen führen könnten.
1. Urheberrechtliche Konflikte durch KI-Training nehmen zu
Der Boom generativer KI führt dazu, dass Medienhäuser ihre Inhalte stärker schützen und vermehrt gegen unautorisierte Nutzung vorgehen. Besonders Trainingsdaten und automatisierte Inhaltsverarbeitung geraten zunehmend in den Fokus.
2. Die Cyberspace Administration of China (CAC) verschärft die Regulierung
Die chinesische Cyberspace Administration verschärft kontinuierlich die Kontrolle über digitale Nachrichteninhalte und Plattformen. Dies kann künftig indirekt auch kommerzielle Monitoring und Aggregationsdienste betreffen.
3. Paywalls erschweren das Crawling journalistischer Inhalte
Führende Medienhäuser wie Caixin setzen zunehmend auf abonnementbasierte Modelle und strenge Bezahlschranken. Dadurch wird das automatisierte Crawling vollständiger Inhalte technisch und rechtlich schwieriger.
4. Urheberrechtsallianzen gehen stärker gegen unautorisierte Nutzung vor
Organisationen wie die China News Media Copyright Protection Alliance treiben das Thema Urheberrechtsschutz aktiv voran und haben in den vergangenen Jahren mehrfach Klagen gegen großflächige unautorisierte Nutzung journalistischer Inhalte unterstützt.
Fazit: Was Unternehmen bei der Medienbeobachtung in China beachten sollten
Das Urheberrecht im chinesischen Medienmonitoring bewegt sich damit in einem komplexen Spannungsfeld aus bestehenden Gesetzen, fehlenden kollektiven Lizenzstrukturen, begrenzter Rechtsdurchsetzung und etablierten Marktpraktiken.
Um urheberrechtliche Risiken zu minimieren, empfiehlt es sich, auf die großflächige Weiterverbreitung vollständiger Artikel zu verzichten und stattdessen den Fokus auf Zusammenfassungen sowie analytische Erkenntnisse zu legen. Ebenso wichtig sind die Zusammenarbeit mit autorisierten Datenanbietern, der Verzicht auf das Scraping von Inhalten hinter Paywalls sowie klare Richtlinien für die interne Nutzung von Mediendaten.
Dank stabiler und zuverlässiger Datenpartner in China kann pressrelations den Zugang zu Mediendaten über verschiedene Kanäle hinweg gewährleisten – kombiniert mit lokaler Expertise und einem tiefen Verständnis der chinesischen Medienlandschaft. So unterstützen wir unsere Kunden dabei, ihre Markenreputation gezielt zu überwachen und die Kommunikationsleistung in einem der komplexesten Medienmärkte der Welt fundiert zu bewerten.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Medienbeobachtung und Pressespiegel-Dienste unterscheiden sich auf den internationalen Märkten erheblich. Insbesondere in China greifen regulatorische Unsicherheiten, technische Marktpraktiken und urheberrechtliche Fragen auf komplexe Weise ineinander.
Wenn Sie Fragen zum internationalen Lizenzrecht, zur Medienbeobachtung oder zu Pressespiegeln in China haben, beraten wir Sie gerne individuell. Gemeinsam erarbeiten wir Lösungen, die sowohl die gesetzlichen Anforderungen als auch die praktischen Gegebenheiten des Marktes berücksichtigen.