Teil 1: Die Geschichte von pressrelations
Herzlichen Glückwunsch zu 25 Jahren pressrelations! Ein Vierteljahrhundert ist ein echter Meilenstein. Wenn ihr heute auf diese 25 Jahre zurückblickt:
Was bedeutet dieses Jubiläum für euch persönlich?
Jens: 25 Jahre pressrelations sind für mich tatsächlich ein halbes Leben – und wenn ich ehrlich bin, noch ein bisschen mehr als das. Ich bin seit der ersten Stunde dabei. Angefangen habe ich als Praktikant bei einem kleinen Projekt innerhalb der damaligen Agentur Kohtes & Klewes. Wir hatten keinen ausgefeilten Businessplan, dafür Bierkisten, einen Kicker und erstaunlich viele Eintracht-Frankfurt-Fans. Ich wusste schnell: Hier bin ich richtig.
Dann kam die Dotcom-Krise und das Projekt wurde eingestellt. Was zunächst wie das Ende aussah, wurde letztlich zum eigentlichen Anfang von pressrelations. Krisen waren für uns häufig auch Momente, in denen etwas Neues entstanden ist.
Deshalb bedeutet mir das Jubiläum sehr viel. Es ist eine Bestätigung dafür, dass sich Wagemut, Beharrlichkeit und manchmal auch eine gewisse Sturheit auszahlen können.
Vor allem empfinde ich aber Dankbarkeit und besonders stolz macht mich, dass wir bis heute ein inhabergeführtes Unternehmen geblieben sind.
Fady: Was? Schon 25 Jahre? Kommt mir vor wie 25 Monate!
Mich haben schon immer Familienbetriebe begeistert, die es schaffen, viele Jahrzehnte zu existieren und widrigsten Umständen zu widerstehen. Mit 25 Jahren sind wir mittlerweile kein Startup mehr, aber agieren immer noch mit der Innovationskraft eines solchen. Es ist ein Lebenswerk mit vielen Höhen und Tiefen, mit Dingen, die einen begeistern, und solchen, die weniger Spaß machen.
Was aber für mich besonders wichtig ist und stets im Vordergrund stand und steht, sind die Menschen, die mitgestaltet und pressrelations zu dem gemacht haben, was es heute ist. Das bedeutet mir sehr viel.
Mit 25 Jahren fängt das Leben gerade erst an. Wir planen bereits für das 100-jährige Jubiläum.
Wie hat sich die Branche in den vergangenen 25 Jahren verändert – welche Meilensteine waren für pressrelations besonders prägend?
Jens: Eigentlich hat sich fast alles verändert – mit Ausnahme des Grundbedürfnisses unserer Kunden: Sie wollen verstehen, was in der Welt über sie, ihre Themen, ihre Wettbewerber und ihr Umfeld gesagt wird und was davon wirklich relevant ist.
Als wir angefangen haben, war Online-Monitoring selbst noch eine Innovation. Wir starteten digital und nahmen anschließend Print, TV und Hörfunk hinzu. Unser Motto war schon damals „Digital First“.
Der nächste fundamentale Einschnitt war für mich Social Media und die Auflösung der klassischen Gatekeeper-Strukturen. Damit ist Medienbeobachtung viel stärker zu Media Intelligence geworden. Es reicht nicht mehr, zu wissen, was veröffentlicht wurde. Wir müssen verstehen: Wer setzt ein Thema? Wie verbreitet es sich? Welche Akteure treiben es? Und was bedeutet das für eine Organisation?
Ein weiterer großer Meilenstein ist jetzt natürlich KI. Sie wird unsere Branche mindestens genauso grundlegend verändern wie das Internet und Social Media zuvor.
Ich glaube aber weiterhin an etwas, das uns seit den Anfängen begleitet: den hybriden Ansatz. KI kann enorme Mengen an Informationen strukturieren, Muster erkennen und Prozesse beschleunigen. Kontext, Urteilsvermögen, Beratung und Verantwortung bleiben aber menschliche Aufgaben. Im besten Fall schafft Automatisierung sogar mehr Raum dafür.
Fady: Ich beziehe die Frage zunächst auf den Markt. Es gibt Kunden, deren Bedürfnisse sich nicht grundlegend von denen von vor 25 Jahren unterscheiden. Gleichzeitig gibt es unglaublich spannende Projekte sehr progressiv aufgestellter Kunden, deren Ausgangspunkt und gleichzeitige Zielvorstellung der holistische Blick aller ihnen verfügbaren Daten in einer Übersicht ist.
Die problematischste Entwicklung der letzten 5 Jahre ist sicherlich das Compliance- und Lizenzthema sowie die Content-Beschaffung. Es ist ein El Dorado bei Verlagen ausgebrochen, was in unübersichtlichen gesetzlichen Regelungen pro Land und jeweils pro Verlag mündet und es Kunden sehr erschwert, den Überblick zu behalten.
Die Branche selbst hat sich von mehrheitlich familiengeführten Unternehmen zu Private-Equity-geführten Unternehmen entwickelt. pressrelations ist eines der ganz wenigen familiengeführten Unternehmen in Deutschland und gehört zu den größten in Europa. Die Vorteile für unsere Kunden liegen auf der Hand: Konsequenz, Vertrauen, Langfristigkeit und Sicherheit sind nur einige der Werte, die nur so gelebt werden können.
Wenn ihr die Geschichte von pressrelations in drei Wendepunkten erzählen müsstet: Welche wären es?
Jens: Der erste Wendepunkt wäre paradoxerweise beinahe unser Ende gewesen: die Dotcom-Krise. Ohne diese Krise gäbe es uns in unserer heutigen Form wahrscheinlich gar nicht.
Der zweite Wendepunkt war für mich der Schritt vom reinen Online-Monitoring zum crossmedialen Fullservice-Anbieter.
Der dritte Wendepunkt war die Phase der internen Nachfolge. Zwischen 2014 und 2018 stand die Frage im Raum, ob das Unternehmen verkauft wird. Fady und ich haben schließlich die unternehmerische Verantwortung übernommen.
Vielleicht könnte man diese drei Wendepunkte deshalb auch mit drei Begriffen beschreiben: Gründung, Transformation und Unabhängigkeit.
Fady: Der wichtigste Wendepunkt vor ca. 13 Jahren war die technologische Neuausrichtung der Softwareinfrastruktur hin zu einer nachhaltig State-of-the-Art Softwareentwicklung. Bis dahin war die Softwareentwicklung das Nadelöhr für die Produktentwicklung. Wir sind so schnell und so gut geworden, dass ich oft staunen muss.
Passend dazu war die unternehmensweite Einführung einer agilen Organisationsstruktur ebenfalls ein Wendepunkt. Wo vorher systemisch bedingt Einzelkämpfertum im Vordergrund stand, gibt es heute Teamarbeit mit gemeinsamer Verantwortung und wertschätzendem Umgang.
Die Gründungen der Auslandsgesellschaften, angefangen in Bulgarien, dann in der Schweiz, den USA, Österreich, China, Frankreich, sehe ich ebenfalls als absolute strategische Meilensteine an. Sie versetzen uns in die Lage, international aufgestellte Kunden mit unserer lokalen Expertise und globaler Präsenz zu bedienen.
Gab es eine Entscheidung, bei der ihr damals selbst nicht wusstet, ob sie richtig ist – die sich im Nachhinein aber als entscheidend erwiesen hat?
Jens: Ganz klar: die interne Nachfolge und die Entscheidung, pressrelations selbst weiterzuführen.
Wir hatten damals die Alternative, das Unternehmen an einen Wettbewerber beziehungsweise einen Investor abzugeben oder selbst ins Risiko zu gehen. Die zweite Variante bedeutete erhebliche finanzielle Verpflichtungen.
Es gab also genügend rationale Argumente zu sagen: Lass es.
Trotzdem war für mich schwer vorstellbar, das Unternehmen, das wir über viele Jahre aufgebaut hatten, einfach einem investorengetriebenen Wettbewerber zu überlassen. Ich war überzeugt, dass wir auch mit weniger Kapital aus eigener Kraft erfolgreich sein können.
Heute würde ich sagen: Das war eine der wichtigsten Entscheidungen unserer Unternehmensgeschichte. Sie hat uns die Freiheit gegeben, pressrelations nach unseren Vorstellungen weiterzuentwickeln.
Fady: Echte Entscheidungen sind stets 50:50-Entscheidungen. Erst im Nachhinein konnten wir sagen, ob es eine gute oder schlechte Entscheidung war.
Auf operativer Ebene gab und gibt es viele Entscheidungen, von denen wir nicht wussten und auch im Tagesgeschäft nicht wissen, ob sie richtig sind. Daher planen wir in kleinen Schritten, arbeiten mit MVPs, testen viel aus, sind sehr flexibel darin, Dinge zu verwerfen, wenn sie nicht funktionieren, damit wir schnell lernen.
Auf globaler/strategischer Ebene gab es in der Vergangenheit eher wenige große Entscheidungen, die wir besser hätten anders treffen müssen. Einzig eine Nicht-Entscheidung, die wir eben nicht getroffen haben, tat besonders weh. Entscheiden ist immer besser als nicht zu entscheiden.