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Hauptsitz der neuen Landesgesellschaft ist Verona. Die Leitung übernimmt Mauro Stoico als Managing Director Italy. Vom Start von pressrelations Italy profitieren insbesondere auch die internationalen Kunden von pressrelations.
Kennzahlen: Der Anzeigenäquivalenzwert (AÄW) – Was sagt er eigentlich aus?
Eva Wenzel –
7 Minuten Lesedauer
Der Anzeigenäquivalenzwert (kurz AÄW) ist eine der meistgefragten Analysekennzahlen in der Medienbeobachtung und PR-Erfolgsmessung. Gleichzeitig gilt er unter Analysten als äußerst umstritten. In diesem Beitrag zeigen wir, was der Anzeigenäquivalenzwert aussagt, wo seine Grenzen liegen, welche Vor- und Nachteile er mit sich bringt und worauf Sie achten sollten, wenn Sie den AÄW zur Bewertung Ihrer Medien- und PR-Arbeit nutzen möchten.
Was ist der Anzeigenäquivalenzwert (AÄW)?
Der Anzeigenäquivalenzwert beschreibt den rechnerischen Werbegegenwert redaktioneller Berichterstattung auf Basis der Kosten einer vergleichbaren Anzeige. Er gibt an, welchen Preis eine Anzeige gekostet hätte, die im gleichen Medium den gleichen Raum oder die gleiche Sendezeit eingenommen hätte wie ein redaktioneller Beitrag.
Der AÄW basiert somit ausschließlich auf einem Kostenvergleich zwischen redaktioneller Berichterstattung und bezahlter Werbung – nicht auf einer Messung der tatsächlichen Kommunikationswirkung.
In der internationalen Fachliteratur wird meist die Bezeichnungen Advertising Value Equivalent oder kurz AVE verwendet. Inhaltlich beschreiben sie dasselbe Bewertungsverfahren.
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Der Anzeigenäquivalenzwert ist in vielen Unternehmen eine der zentralen Kennzahlen, wenn es darum geht, den Erfolg der eigenen PR-Maßnahmen zu bewerten. Besonders wichtig ist der AÄW unserer Erfahrung nach, wenn es um die Bewertung von Sponsoring-Maßnahmen geht. Hier wird nicht selten ausschließlich der Werbegegenwert als Bezugsgröße herangezogen.
Aus diesem Grund möchten wir an dieser Stelle beleuchten, wie aussagekräftig der AÄW tatsächlich ist.
Warum ist der AÄW trotz Kritik so verbreitet?
Für die Berechnung des Anzeigenäquivalenzwertes existieren zahlreiche Formeln – manche sehr komplex, andere eher simpel, und manche wiederum basieren auf zumindest diskussionswürdigen Annahmen.
Trotz dieser methodischen Schwächen ist der AÄW in vielen Unternehmen eine zentrale Kennzahl zur Bewertung von Öffentlichkeitsarbeit und PR-Maßnahmen. Besonders häufig wird er unserer Erfahrung nach eingesetzt:
zur internen Erfolgskommunikation
zur Budget-Argumentation
bei der Bewertung von Sponsoring-Maßnahmen
Insbesondere im Sponsoring dient der AÄW oft als primäre Vergleichsgröße, obwohl er die tatsächliche kommunikative Wirkung nur unzureichend abbildet.
Grundannahmen des Anzeigenäquivalenzwertes: Warum sie problematisch sind
Der eigenwillig lange Name deutet bereits an, worum es geht: Der Anzeigenäquivalenzwert setzt redaktionelle Beiträge mit Anzeigen gleich – zumindest in Bezug auf deren Wert.
Die zugrunde liegende Annahme lautet:
Redaktionelle Berichterstattung besitzt einen Werbewert, der sich anhand des Anzeigenpreises annähernd bestimmen lässt.
Diese Annahme wird von Medienwissenschaft und Psychologie seit Jahren kritisch betrachtet – und auch Alltagserfahrungen sprechen dagegen. Wer widmet sich schon einer Anzeige mit der gleichen Intensität wie einem interessanten redaktionellen Artikel?
Gleichzeitig gilt jedoch auch: Ein langatmiger, schlecht strukturierter Artikel ohne Mehrwert kann deutlich weniger Beachtung finden als eine kreativ gestaltete, visuell ansprechende Anzeige. Umgekehrt können gut recherchierte, grafisch aufbereitete Beiträge eine nachhaltige Wirkung entfalten, während einfallslose Anzeigen schlicht überblättert werden.
Der AÄW unterscheidet hier nicht – Qualität, Relevanz und Wirkung bleiben unberücksichtigt.
Tonalität und Kontext: Ein zentrales Problem des AÄW
Ein weiterer entscheidender Schwachpunkt des Anzeigenäquivalenzwertes liegt in der fehlenden Berücksichtigung der inhaltlichen Bewertung.
Ein kritischer Bericht über Greenwashing, Compliance-Verstöße oder interne Strukturen eines Unternehmens erzielt rechnerisch denselben AÄW wie ein lobender Artikel über Innovationskraft, Nachhaltigkeit oder gute Führung – sofern Umfang und Medium identisch sind.
Auch der Kontext bleibt unbeachtet:
Stand das eigene Unternehmen im Mittelpunkt?
Oder wurde es nur beiläufig erwähnt?
Ging es primär um einen Wettbewerber?
Der einfache AÄW liefert in all diesen Fällen denselben Wert, obwohl die kommunikative Wirkung für die Rezipienten sehr unterschiedlich ausfallen dürfte.
Wie wird der Anzeigenäquivalenzwert berechnet?
Berechnung des AÄW in Printmedien
Bei Printmedien wird die Größe des redaktionellen Beitrags (Höhe × Breite in cm²) ermittelt und mit dem Anzeigenpreis für ein vergleichbares Format im jeweiligen Medium abgeglichen.
Dieses Vorgehen klingt zunächst plausibel, ist jedoch mit erheblichen Ungenauigkeiten verbunden:
Anzeigenplätze auf besonders prominenten Seiten (z. B. Titelseite) sind oft nicht buchbar
tatsächliche Anzeigenpreise variieren stark je nach Buchungszeitraum und Rabattmodell
die Artikelgröße sagt nichts über Tonalität, Exklusivität oder Relevanz aus
Berechnung des AÄW in Online-Medien
Gerade im digitalen Raum stößt der Anzeigenäquivalenzwert besonders schnell an seine Grenzen. Häufig werden redaktionelle Beiträge mit Banner- oder Display-Preisen verglichen – obwohl diese kaum vergleichbar sind.
Unberücksichtigt bleiben unter anderem:
Sichtbarkeit und Platzierung des Artikels
Auffindbarkeit über Suchmaschinen
Verweildauer und Scrolltiefe
Unterschiede zwischen Bannerwerbung, Native Ads und Content-Marketing
Der AÄW kann diese Faktoren nicht abbilden und ist online daher nur sehr eingeschränkt aussagekräftig.
Anzeigenäquivalenzwert in TV und Radio
In TV und Radio wird für die Berechnung des AÄW die Länge des Beitrags mit den jeweiligen Spotpreisen der Sender abgeglichen. Diese variieren stark nach Sendezeit und Reichweite.
Ein zusätzliches Problem entsteht bei:
nicht werbeführenden Tageszeiten
öffentlich-rechtlichen Sendern mit stark eingeschränkten Werbemöglichkeiten
Sparten- und Kultursendern
Für große Teile der deutschen Senderlandschaft existieren daher keine belastbaren Vergleichspreise, sodass häufig mit Näherungswerten gearbeitet wird.
Der gewichtete Anzeigenäquivalenzwert: Eine sinnvolle Weiterentwicklung
Wer den AÄW dennoch nutzen möchte, sollte auf den gewichteten Anzeigenäquivalenzwert zurückgreifen. Dabei werden zusätzliche qualitative Faktoren berücksichtigt, zum Beispiel:
Tonalität (positiv, neutral, negativ)
Exklusivität (Hauptthema vs. Randnennung)
So kann ein stark negativer Artikel einen negativen AÄW erhalten, während ein Beitrag mit nur kurzer Erwähnung entsprechend geringer gewichtet wird.
Praxisbeispiel: Ein halbseitiger Artikel mit einem rechnerischen AÄW von 8.000 € kann – bei negativer Tonalität – beispielsweise mit –4.000 € bewertet werden. Dadurch wird die Aussagekraft deutlich erhöht.
AÄW und Branchenstandards: Einordnung nach den Barcelona Principles
Internationale Branchenstandards wie die Barcelona Principles der AMEC lehnen den Anzeigenäquivalenzwert als alleinige Erfolgskennzahl ausdrücklich ab. Dort heißt es: “AVEs are not the value of communication.” (AMEC Barcelona Principles 3.0 (2020) Begründet wird dies damit, dass der AÄW weder Wirkung, Zielerreichung noch Einstellungsänderungen misst.
In der Praxis bleibt der AÄW dennoch verbreitet – vor allem als Orientierungs- und Vergleichsgröße. Ein wesentlicher Grund für die Verbreitung liegt darin, dass monetäre Kennzahlen insbesondere gegenüber Geschäftsführung und Controlling leicht kommunizierbar sind.
Wie sinnvoll mit dem Anzeigenäquivalenzwert arbeiten?
Wer den Anzeigenäquivalenzwert einsetzt, sollte folgende Punkte beachten:
den AÄW über längere Zeiträumevergleichen
ein stabiles Medienset und eine konstante Berechnungsgrundlage nutzen
weitere KPIs ergänzend betrachten, z. B.:
Artikelanzahl
Reichweiten
Tonalität
Wettbewerbsvergleiche
Und nicht zuletzt: Der AÄW ist keine wissenschaftlich exakte Kennzahl und sollte nicht als 1:1 eingesparte Werbeausgabe interpretiert werden.
Fazit: Was der Anzeigenäquivalenzwert leisten kann – und was nicht
Der Anzeigenäquivalenzwert kann eine hilfreiche Orientierungsgröße sein, insbesondere in der internen Kommunikation oder bei der Bewertung von Sponsoring-Maßnahmen. Seine Aussagekraft entfaltet er jedoch nur im Zusammenspiel mit qualitativen Kennzahlen und klar definierten Analysezielen.
Als alleinige Bewertungsgrundlage ist der AÄW ungeeignet – als Teil eines umfassenden Medienresonanzanalyse kann er jedoch sinnvoll eingesetzt werden.
Eva Wenzel
Senior Marketing Manager & Key Account
Seit 2013 ist Eva-Katharina Wenzel bei pressrelations in Marketing und Key Account Management tätig. Zuvor war sie als Projektleiterin in einer internationalen Agentur beschäftigt. Nach ihrem Studium hat sie zunächst bei einer regionalen Wochenzeitung und danach bei einer deutschsprachigen Wochenzeitung in Australien gearbeitet. Hier im Blog schreibt sie vorrangig zu den Themen Monitoring und Analyse.
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