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  • Studie: Parteien lassen Medienkompetenz im Wahlkampf links liegen

    Berlin – 31. Januar 2025

    Pressefreiheit, Medienkompetenz und Desinformation - Analyse der Parteiprogramme zu medienpolitischen Themen von pressrelations

    Soziale Netzwerke bieten Falschinformationen eine breite Plattform – befeuert durch KI und unkontrollierte Algorithmen. Doch der Wahlkampf zeigt: Die Parteien erkennen das Problem, verfügen jedoch kaum über geeignete Lösungsstrategien. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Analyse von pressrelations, die untersucht, wie die Mitglieder des Bundestags (MdBs) auf Social Media zu medienpolitischen Themen wie Fake News, KI-Desinformation und Medienkompetenz kommunizieren – und was die jeweiligen Parteiprogramme dazu beinhalten.

    „Während Desinformationen durch den Einsatz von KI einfacher, schneller und überzeugender produziert und verbreitet werden, bleiben viele Parteien in ihren Aussagen vage und liefern kaum konkrete Gegenmaßnahmen. Gleichzeitig gefährdet eine unklare Medien- und Lizenzpolitik den Qualitätsjournalismus – gerade in einer Zeit, in der unabhängige, faktenbasierte Berichterstattung essenziell für eine funktionierende Demokratie ist“, warnt Jens Schmitz, geschäftsführender Gesellschafter von pressrelations.

    Als einer der führenden Anbieter für Medienbeobachtung und -analyse im deutschsprachigen Raum engagiert sich pressrelations aktiv für die Förderung von Medienkompetenz und die Bekämpfung von Desinformation.

    „Medienkompetenz, der Umgang mit Desinformation und die Regulierung von KI sind zentrale medienpolitische Herausforderungen, die nicht nur unsere Branche betreffen, sondern die gesamte Gesellschaft. Die Parteien müssen hier mehr Verantwortung übernehmen und klare Strategien entwickeln“, so Schmitz weiter.

    pressrelations Analyse untersucht die Social-Media-Beiträge der Bundestagsabgeordneten seit Bekanntgabe der Neuwahlen am 16.12.2024 auf Facebook, Instagram, Threads, X, Bluesky, TikTok, YouTube und Telegram und vergleicht diese mit den Wahlprogrammen der Parteien (CDU/CSU, SPD, FDP, Die Grünen, AfD, BSW und Die Linke). Ab dem 6. Februar 2025 wird pressrelations in mehreren Teilen eine umfassendere Analyse der Social-Media-Aktivitäten der MdBs im Wahlkampf veröffentlichen.

    Stacked bar chart comparing German parties’ social media posts on media-policy topics, including disinformation, artificial intelligence, press freedom, media literacy and copyright.

    Erste Zwischenbilanz

    Desinformation: Parteien mit unterschiedlichen Ansätzen – oder gar keinen

    • SPD und Grüne setzen sich mit ihren Wahlprogrammen am umfassendsten für Maßnahmen gegen Desinformation ein. Beide Parteien fordern eine stärkere Verantwortung der Plattformbetreiber sowie eine effizientere Strafverfolgung digitaler Manipulation. Die Grünen wünschen sich zudem eine Verbesserung der Medienbildung, damit Desinformation besser von den Nutzenden erkannt wird. Zudem wollen sie spezialisierte Institutionen schaffen, die frühzeitig Deepfakes, koordinierte Falschinformationen und andere demokratiegefährdende Inhalte identifizieren sollen. Dies spiegelt sich auch auf den Social-Media-Kanälen der MdBs beider Parteien wider, die sich nach der AfD am häufigsten zum Thema äußern.  

    • Die Linke fordert, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Gegengewicht zu Fake News zu stärken, journalistische Standards für verlässliche Informationen zu etablieren sowie Maßnahmen gegen KI-gestützte Manipulation in sozialen Medien. In den Social Media äußern sich die MdBs der Linken jedoch kaum zum Themenkomplex.

    • CDU/CSU erkennt in ihrem Wahlprogramm die Gefahr durch Fake News und möchte sicherstellen, dass bei der Umsetzung des Digital Services Act der Schwerpunkt auch auf den Kampf gegen Desinformation gelegt wird. Die MdBs der CDU/CSU äußern sich in ihren Social-Media-Beiträgen ebenfalls zu dem Thema, jedoch weniger häufig als andere Parteien.

    • FDP und BSW warnen eher vor einer Überregulierung und Einschränkung der Meinungsfreiheit als vor den Gefahren von Desinformation. Das BSW fordert alle Formen der Zusammenarbeit von Staat und Medien zur Beeinflussung der freien Meinungsbildung zu beenden. Die FDP betont im Wahlprogramm, dass der Digital Services Act nicht zur Einschränkung der Meinungsfreiheit führen dürfe und macht deutlich, dass diese aktiv geschützt werden muss. Im Social Web äußern sich die MdBs der Parteien jedoch am seltensten zu diesen Problemstellungen.

    • Die AfD nutzt das Thema „Desinformation“ vor allem, um den öffentlich-rechtlichen Medien eine manipulative Berichterstattung vorzuwerfen. AfD-MdBs haben die meisten Social-Media-Beiträge mit Bezug zum Thema verfasst. Im Wahlprogramm der

    Künstliche Intelligenz: Zwischen Risiko und Wirtschaftsfaktor

    • SPD, Grüne und Linke fordern faire Vergütungen für Urheber. SPD und Linke wünschen sich als einzige Parteien eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte. Die SPD fordert in ihrem Wahlprogramm eine Weiterentwicklung der KI-Strategie Deutschlands, während sich die Grünen eine stärkere Offenheit und Förderung in Schlüsselbereichen wie KI wünschen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Von den Linken gibt es nur eine Forderung: KI-Wissen als Teil der beruflichen Ausbildung zu etablieren. Die SPD teilt im Vergleich deutlich mehr Beiträge zum Thema in den sozialen Medien, aber auch von den MdBs der Grünen und Linken sind vereinzelt Beiträge zu Künstlicher Intelligenz zu finden.

    • CDU/CSU und FDP sehen KI primär als wirtschaftliche Chance und Standortfaktor, ohne klare Regelungen für Desinformation oder Urheberrechte vorzuschlagen. KI soll stärker in verschiedenen Lebensbereichen zum Einsatz kommen und Prozesse automatisieren sowie Menschen unterstützen. CDU/CSU setzen sich für eine innovationsfreundliche Umsetzung des EU AI Acts ein. Sie lehnen eine Überregulierung ab und möchten gezielt Freiräume für KI schaffen, um deren Chancen zu nutzen. Die MdBs der CDU/CSU teilen mit Abstand die meisten Beiträge in den Social Media.

    • Das BSW fordert frei verfügbare KI-Modelle für Wissenschaft, Bildung, Kultur und Verwaltung sowie eine Stärkung der digitalen Infrastruktur in Europa, um Abhängigkeiten von großen US-amerikanischen IT-Konzernen zu reduzieren. Vorschläge zum Umgang mit KI-generierten Inhalten, wie eine Kennzeichnungspflicht, und Urheberrechten, fehlen. Beiträge auf Social Media gibt es von den MdBs des BWS nicht. 

    • AfD geht kaum bis gar nicht auf KI-Themen ein – weder in ihrem Programm noch auf Social Media.

    Medienkompetenz: Zwischen Wahlversprechen und Social-Media-Stille

    • Die SPD stuft in ihrem Wahlprogramm Medienkompetenz als Grundkompetenz im digitalen Zeitalter ein und setzt sich dafür ein, Programme zur Förderung der Medien- und Nachrichtenkompetenz für alle Altersgruppen auszubauen. Ihre MdBs äußern sich jedoch vergleichsweise selten in den sozialen Medien zum Themenkomplex.

    • In ihrem Wahlprogramm äußert sich CDU/CSU nicht explizit zur Medienkompetenz, spricht sich aber auf Social Media dafür aus, dass insbesondere jungen Menschen mehr Medienkompetenz in den Schulen vermittelt wird.

    • Die Grünen wollen die Medienkompetenz fördern, indem sie in die Digitalisierung von Schulen investieren, damit die Menschen dank einer guten Medienbildung Desinformation besser erkennen können. Die Partei macht auch am häufigsten in den Social Media auf dieses Problem aufmerksam.

    • Die Linke fordert in ihrem Wahlprogramm, dass Medienkompetenz ein Bestandteil der beruflichen Ausbildung wird, äußert sich aber in den Social Media nicht zum Thema.

    • Die FDP fordert eine stärkere Integration von Medienkompetenz in die Lehrpläne, äußert sich aber nur in einigen wenigen Social-Media-Beiträgen dazu.

    • AfD und BSW ignorieren das Thema komplett. Beide Parteien kritisieren zwar Kontrollmechanismen gegen Desinformation, präsentieren aber keinerlei Konzepte, um Bürgern den verantwortungsvollen Umgang mit Falschinformationen zu vermitteln. Entsprechend finden sich auch keine Social-Media-Beiträge ihrer MdBs zu diesem Thema.

    Die vollständigen Daten mit Live-Zahlen zu allen fünf Kategorien (Desinformation, Künstliche Intelligenz, Pressefreiheit, Medienkompetenz und Urheberrecht) können im Echtzeit-Infoboard jederzeit eingesehen werden.

    Studie

    Die vollständige Studie zum Social-Media-Wahlkampf der Mitglieder des Bundestags erscheint in mehreren Teilen ab dem 06.02.2025. Interessierte können sich schon jetzt kostenfrei für den Erhalt der Ergebnisse anmelden.

    Über pressrelations

    Seit 25 Jahren unterstützt pressrelations Unternehmen und Organisationen bei der Planung und Steuerung ihrer Kommunikation. Weltweit vertrauen mehr als 1.000 Kunden aus verschiedensten Branchen auf die Services des Unternehmens. Mit einem internationalen Team an Standorten in Europa, Nordamerika und Asien bietet pressrelations umfassende Lösungen für Medienbeobachtung, Medienanalyse, Trenderkennung und GEO-Monitoring.

    Die hauseigene Plattform NewsRadar vereint crossmediales Monitoring und Media Intelligence in einer zentralen Arbeitsumgebung. Inhalte aus Print, Online, Social Media, TV, Radio und Podcasts werden dort KI-gestützt erfasst, verknüpft und analysiert, um Medienresonanz schneller zu verstehen, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und datenbasierte Entscheidungen zu treffen.

    Pressekontakt

    Bastian Hammerschmidt

    Bastian Hammerschmidt

    Senior Marketing Manager

    Stephanienstraße 36, 40211 Düsseldorf Germany

    Tel. +49 211 175 20 77 – 77

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