Interview mit Dr. Oliver Graßy von der PMG über Lizenzierungen und das Lizenzrecht

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In Teil I unserer Serie zum Medienspiegel & Lizenzrecht sind wir mit den grundlegenden Fakten zum Thema gestartet. In Teil II gehen wir nun einen Schritt weiter und fragen bei der PMG genauer nach: Welche Herausforderungen rund um die Lizenzierung gibt es und ist das Ganze wirklich so kompliziert?


„Die sieben Königreiche […] ähneln dem europäischen Mittelalter und sind durch eine riesige Mauer von einem Gebiet ewigen Eises im Norden abgeschirmt.“ So beschreibt aktuell die Wikipedia den Kontinent Westeros aus der Kultserie Game of Thrones. Beinahe dasselbe könnte man allerdings auch vom Lizenzrecht behaupten: Bei vielen Unternehmen und Pressestellen ist der Eindruck entstanden, das Lizenzrecht bezieht sich auf nicht sehr praxisgerechte, konstruierte Abläufe und wird bestimmt von einer Mauer aus anachronistischer Bürokratie, Halbwissen und Verboten. Aber ist das wirklich so? Wir bringen Licht ins Dunkel und zeigen Ihnen, dass die Lizenzregelungen in Wahrheit gar nicht so unübersichtlich und praxisfern sind. Dazu haben wir in dieser Woche mit Dr. Oliver Graßy, Geschäftsführer PMG Presse-Monitor GmbH, gesprochen.

pressrelations Blog: Herr Dr. Graßy, Welches sind Ihrer Erfahrung nach die kniffeligsten Lizenzierungsfälle?

Dr. Oliver Graßy: Die kniffeligsten aber auch interessantesten Fälle unseres Alltags sind individuelle Lösungen bspw. wenn Kunden verschiedene Leserkreise innerhalb ihres Hauses bedienen möchten und sich dabei Überschneidungen bei einzelnen Lesern ergeben oder Beiträge in den Pressespiegeln für beide Leserkreise enthalten sind. Aber hier kommen wir auf Basis einer Beratung mit vielen Erfahrungswerten stets zu nutzerfreundlichen und fairen Lösungen.
Wirklich knifflig und noch nicht richtig befriedigend und praktikabel gelöst sind internationale Aufgabenstellungen mit einer Vielzahl beteiligter Content- und Lizenzierungspartner. Wie bereits angemerkt arbeiten wir in Abstimmung mit diesen Unternehmen derzeit daran, den im internationalen Kontext exponentiell wachsenden vertraglichen und abwicklungstechnischen Herausforderungen besser und marktfreundlicher zu begegnen.

Was sind aus Ihrer Sicht für Kunden die größten Herausforderungen in Bezug auf die Lizenzierung von Artikeln in digitalen Medienspiegeln?

Dr. Oliver Graßy: Da kann ich keine wirklich substanzielle Herausforderung mehr erkennen. Die PMG ist angetreten einen One-Stop-Shop zu etablieren um Kunden den Content einer großen Zahl von Publikationen umfassend, in Echtzeit und komfortabel zugänglich zu machen. Mit aktuell über 2.000 Quellen ist dies denke ich recht ordentlich gelungen. Kunden, die die PMG-Datenbank direkt nutzen, erwerben die für eine interne Verbreitung von Pressespiegeln erforderlichen Lizenzen gleich mit hinzu. Für Kunden, die sich bei der Erstellung von Medienspiegeln die umfassenden und individuell zugeschnittenen Services eines Monitoring-Dienstleisters wie pressrelations bedienen, erledigt das Lizenzierungs-Handling ihr Dienstleister über entsprechende technische Schnittstellen zur PMG. Beide Möglichkeiten sind schnell und unkompliziert, die Lizenzierung als solche ist für alle Beteiligten also tatsächlich keine echte Herausforderung.
Verbesserungen sind allerdings denkbar im Hinblick auf eine noch umfassendere Abdeckung von Fachpublikationen oder gar eine Erweiterung des Content-Angebots über die von der PMG vertretenen Verlagsinhalte hinaus. Und wenn wir die deutsche Sicht verlassen, dann sind nahtlose internationale Content- und Lizenzierungslösungen nach wie vor eine echte Herausforderung, die wir derzeit im Verbund mit unseren Partnern im Ausland mit hoher Priorität auch angehen.

Rückblickend auf die 16-jährige Erfahrung der PMG: Wo merken Sie herrscht die größte Unsicherheit? Wo haben Unternehmen die meisten Fragen?

Dr. Oliver Graßy: Gegenüber den Anfängen ist die Unsicherheit zu Lizenzierungsfragen bei der Erstellung und Verbreitung digitaler Pressespiegel doch einer breiten Kenntnis und Beachtung der Regeln gewichen. Dazu haben die PMG wie auch die Monitoring-Dienstleister mit ihrer Aufklärungs- und Beratungsarbeit ganz wesentlich beigetragen. Man kann insgesamt schon feststellen, dass heute jeder, der sich in Kommunikationsbereichen von Unternehmen und Institutionen professionell mit dem Erstellen von Pressespiegeln beschäftigt, sich umfänglich mit den Spielregeln auskennt. Dies gilt auch für die Nutzung von Online-Inhalten oder E-Papern von Verlagen, deren Nutzung für den Pressespiegel anfänglich etwas Unsicherheit erzeugte.
Für die Einarbeitung neuer Kollegen in die Lizenzierungsmaterie oder zum Nachschlagen einzelner Fragen selbst für alte Hasen stellen wir auch ein gern genutztes kleines Kompendium zu rechtlichen Grundlagen und praktischen Tipps zur Verfügung.

Hat sich die Situation der Verlage durch das Lizenzrecht verbessert?

Dr. Oliver Graßy: Diese Frage müssten Sie wohl eher an die Verlage selbst richten. Aber es ist nachvollziehbar, dass sich die rechtlichen Regeln mit den durch die Digitalisierung geschaffenen technischen Möglichkeiten der massenhaften Vervielfältigung und Verbreitung entsprechend mitentwickeln müssen. Und für eine auf Information und Wissen basierende Wirtschaft und Gesellschaft ist es auch ganz elementar, wie sich diese zu geistigem Eigentum verhält.
Im Kontext des digitalen Pressespiegels ist die Situation klar und für alle Beteiligten denke ich zufriedenstellend-praktikabel geregelt. Aus Sicht der PMG gibt es allenfalls noch einen verbleibenden Bedarf für eine sorgfältigere Beachtung der rechtlichen und vertraglichen Spielregeln bei der Nutzung von Verlagsinhalten im Produktionsprozess einzelner Monitoring-Dienstleister.

Wo positionieren Sie sich im Vergleich mit der VG Wort?

Dr. Oliver Graßy: Hier gibt es keinen Positionierungsbedarf sondern klare Abgrenzungen durch einen unterschiedlichen Status: Die PMG ist keine Verwertungsgesellschaft, wir vermarkten als eigenständig agierender Informationsanbieter vorrangig den Content sowie ergänzend einfache Nutzungsrechte von Verlagen und wir tun dies durchaus in Gewinnerzielungsabsicht. Eine Verwertungsgesellschaft hingegen ist treuhänderisch auf Basis gesetzlicher Privilegierung oder exklusiver Rechteeinräumung tätig und ermöglicht keinen Content-Bezug sondern allein eine Lizenzierung.
Zwischen der VG Wort und der PMG besteht seit 2003 eine vertragliche Vereinbarung, nach der den Pressespiegel-Nutzern auch die vereinfachte Abrechnung digitaler Pressespiegel nach der engen Maßgabe der gesetzlichen Privilegierung nach §49 UrhG aus einer Hand angeboten werden kann.

Wie beurteilen Sie das dt. Lizenzrecht im internationalen Vergleich?

Dr. Oliver Graßy: Wenn ich nur einmal Europa betrachte: Das Urheberrecht sowie dessen Beachtung ist in Nordeuropa, den britischen Inseln und West- und Zentraleuropa sicherlich anders eingeübt als das in Süd- und Osteuropa der Fall ist. Wir sehen aber mit viel Sympathie, dass unser internationaler Verband PDLN („Press Database and Licensing Network“) zum einen auch über Europa hinaus wächst und unsere „Mission“ auch zunehmende Beachtung findet. Es ist sicherlich auch ein gutes Zeichen, dass die vergangenen zwei PDLN-Kongresse von unseren Mitgliedern in Spanien und Italien durchgeführt wurden und der nächste Kongress in Griechenland stattfindet. Vor allem aber ermutigt mich persönlich die Tatsache, dass Monitoring-Dienstleister aus Südamerika und Asien ganz aktiv die Unterstützung der PDLN anfragen im Hinblick auf die Etablierung eines Lizenzierungssystems. Denn: Im Vergleich zu den zugegebenermaßen etwas lästigen Lizenzierungszahlungen sind Rechtsunsicherheiten durch fehlende oder nicht verlässliche Regeln dort wie auch anderswo das eigentliche Problem.

Welche Entwicklungen werden, Ihrer Einschätzung nach, in Zukunft für das Lizenzrecht wichtig?

Dr. Oliver Graßy: Die Frage der Harmonisierung der unterschiedlichen Ansätze und Ausprägungen der rechtlichen Regelungen innerhalb der Europäischen Union ist ein zentraler Punkt auf der Agenda. Wünschenswert wäre für Nutzer und Anbieter gleichermaßen ein einheitlicher Regelungsrahmen zur Nutzung und Vergütung von redaktionellem Verlagscontent in Pressespiegeln.

Schauen Sie selbst Game of Thrones? Wenn ja, wer ist Ihre Lieblingsfigur oder wen mögen Sie am wenigsten?

Dr. Oliver Graßy: Nein, das ist eher nicht so mein Ding und das Sofa nicht mein bevorzugter Aufenthaltsort. Die großen Themen von Epen wie Game of Thrones spiegeln sich ja auch ausreichend im Alltag wider, zwar nicht ganz so prägnant und prall, aber das wiederum schärft die Wahrnehmung für die leisen Töne und die feiner gestrickten Muster.

pressrelations Blog: Vielen Dank für das freundliche Gespräch Herr Dr. Graßy!

PMG, PR- u. Imagefotos - Motiv: Einzelportrait, OG – Dr. Oliver Graßy (Geschäftsführer)
Dr. Oliver Graßy, Geschäftsführer der PMG Presse-Monitor GmbH. ©Steffen Jaenicke
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